RevolutionRace & Spaghettipampe – Sport, Spaß und Spiel im Rätikon

Rätikondurchschreitung vom 21. – 24. März 2025

Fellbeutelhechter, Tellerhalter, Kloschuhe, Konsumationskarte, Schneespülmaschine, Toilettenpapiertüte, Fellstollen. Ihr fragt Euch, was das für Wortkreationen sind? Die haben sich Julia, Niklas (Niki), Jürgen, Bassi, Caro, Britta und Thomas ausgedacht. Wozu? Die Auflösung gibt’s weiter unten…

Wir waren gemeinsam zum Skitourengehen im Rätikon. Am Freitagmittag ging es mit dem Vereinsbus nach Bludenz und von dort mit dem Zug weiter nach Vandans und um die Verkehrsmittelreihe noch zu komplettieren, am Ende mit der Golmerbahn noch hinauf nach Latschau. Dann gings endlich los. Wer aber denkt, dass wir dann die Ski angeschnallt haben und das Gauental hinauf zur Lindauer Hütte gegangen sind, der irrt. Gegangen sind wir schon, aber zu Fuß. Und zwar länger als gedacht, denn aus den angekündigten 30 Minuten wurde mehr als eine Stunde, bis wir endlich genug Schnee hatten und auf die Ski steigen konnten. Wir erreichten die Lindauer Hütte am frühen Abend, bezogen unser gemütliches Achter-Zimmer (Annette war noch bei uns) namens Drusenturm (wie passend) und gingen mit unserer Konsumationskarte bewaffnet zum Abendessen.

Für den Samstag stand die Besteigung des Großen Drusenturms auf dem Programm. Wider Erwarten begrüßt uns Sonnenschein bereits am frühen Morgen und so machen wir uns nach dem Frühstück auf den Weg. Zunächst geht es ins Tal Richtung Öfapass, wir biegen aber vorher links ab in den Sporatobel. Dem folgen wir in gemäßigtem Anstieg hinauf bis es steiler wird und wir unser Spitzkehrenkönnen unter Beweis stellen müssen. Aufgrund der Schneelage nehmen wir an der Schlüsselstelle die Skier an den Rucksack und stapfen zwischen den Felsen hinauf. Dann wird es wieder flacher und wir ziehen in einer weiten Kehre hinauf bis zum Gipfel. Die Abfahrt war kleinräumig sehr verschieden und der Schnee recht variabel. Doch Caro und Thomas haben eine schöne Abfahrtsvariante gefunden und wir waren froh, es so gut erwischt zu haben. Was für ein Glück! Das werden wir an diesem Wochenende noch häufig sagen. Das Wetter hat gehalten, die Sicht war gut und auf der anderen Talseite auf dem Bergrücken konnten wir sogar noch ein paar Gämsen beobachten. Auch am Nachmittag schien die Sonne noch, so dass wir auf der Terrasse der Hütte noch Kaiserschmarren und Topfenstrudel genießen konnten.

Am Sonntag ziehen wir dann weiter, heute werden wir nicht zur Lindauer Hütte zurückkehren. Wir brechen schon früh auf, vor uns liegen ca. 11 km und 1.100 HM und ein paar An- und Abfell-Aktionen. Schade, dass Annette sich entschieden hat, nicht weiter mitzugehen, sie fährt wieder nach Latschau ab und zurück nach Hause. Die übrigen sieben machen sich auf den Weg vom Vortag, doch biegen wir diesmal nicht links ab, sondern gehen weiter hinauf zum Öfapass. Den erreichen wir nach knapp zwei Stunden, vom strahlend blauen Himmel lacht die Sonne und wärmt uns. Wir fellen das erste Mal ab und fahren hinab zum Schweizer Tor. Hier bläst ein heftiger Wind durch die Senke und erfasst einen Fellsack. So erleben wir einen akrobatischen Hechter, an den wir uns später noch erinnern werden. Wir ziehen die Felle wieder auf und steigen hinauf zum Verajoch. Dort fellen wir ein zweites und letztes Mal ab und fahren eine wilde, zerklüftete Abfahrt hinunter zum Lüner See und finden uns wieder zwischen imposanten, hohen Felswänden, die steil hinaufragen. Mittendrin ganz still und idyllisch in dieser gewaltigen Kulisse der Lüner See. Wir fellen ein letztes Mal an und laufen am Ufer entlang, bis wir ein windgeschütztes Plätzchen für unsere Mittagspause finden. Gestärkt steigen wir die letzten 400 Höhenmeter hinauf zur Totalphütte und beziehen unser Lager im Hotel Winter – dem gemütlichen Winterraum der Hütte. Wir sind von Komfort und Ausstattung positiv überrascht – die kleine Hütte bietet zehn Schlafplätze, eine elektrisch betriebene Heizung, einen Zweiplattenherd und eine Essecke. Nachdem wir uns eingerichtet und unsere Sachen zum Trocknen verteilt haben, vertreiben wir uns die Zeit mit dem Schüsselchen-Spiel. Hier entstehen unsere Wortkreationen, die auf kleine Schnipsel geschrieben werden und mit Worten, pantomimisch, mit nur einem Wort und einem Geräusch erklärt werden müssen. Probiers mal aus: mach ein Geräusch für „RevolutionRace“ (die Marke von Julias und Nikis Klamotten). Viel Spaß! Wir spielen Jungs gegen Mädels, diese gehen als klare Siegerinnen hervor. Die Sterneköche machen sich anschließend in der Gourmetküche ans Werk und kochen Spaghetti mit Tomatensoße. Die Konsistenz erinnert eher an Brei (das bringt neue Wortkreationen für die Abendspielrunde hervor), doch das uns total egal, es schmeckt trotzdem. Danach weihen Niki und Julia die vollautomatische Schneespülmaschine ein – inklusive Randspülgang. Besser kann Fairy Ultra das auch nicht…

Ausgeruht und voller Vorfreude, aber auch mit ein wenig Skepsis stehen wir am Montagmorgen um 7:30 Uhr abmarschbereit vor der Hütte. Die Wettervorhersage kündigt eine Verschlechterung an, daher wollen wir früh los, um es vor dem Wetterumschwung noch hinauf und auch wieder hinunter zu schaffen. Vor uns liegt ein weiteres Tourenhighlight – der höchste Berg des Rätikon: Die Schesaplana. In einem weiten Bogen steigen wir zunächst gemütlich hinauf bis zur ersten Steilstufe. Wir haben wieder einmal Glück mit dem Wetter (das waren mit Abstand die am häufigsten gebrauchten Worte des Wochenendes): Die Wolken lösen sich auf und die Sonne begleitet uns hinauf. Die geringe Schneehöhe und die Felsen machen den Aufstieg etwas kniffliger. Bassi verliert ein Harscheisen und schafft es gerade noch hinauf zum sicheren Standplatz. Hier schnallen wir die Ski an den Rucksack, Jürgen und die nachfolgenden schlagen Tritte in den harten Schnee und so schaffen wir es alle hinauf auf die nächste Ebene, wo es wieder flacher wird. Bassi beschließt hier zu warten und nicht mit auf den Gipfel zu gehen, ohne Harscheisen ist das Risiko einfach zu hoch. Die anderen ziehen nochmal in einem weiten Bogen den Hang hinauf, es wird doch noch einmal unerwartet steil. Dann kommt die lange Flanke unter der Gipfelhang-Wechte. Die queren wir vorsichtig einzeln hinüber und klettern dann mit Stockhilfe von oben über die Kante. Die letzten Meter zum Gipfel laufen wir zu Fuß hoch, es hat nicht genug Schnee bis zum Gipfelkreuz. Inzwischen haben sich doch wieder mehr Wolken am Himmel versammelt, von der Schweizer Seite her kriechen dicke Nebelschwaden den Hang hinauf. So halten wir uns nicht lange auf – Eintrag ins Gipfelbuch, ein paar Fotos und dann geht es wieder hinunter. Für die Abfahrt folgen wir der Aufstiegsspur. Die beiden Steilstufen meistern alle mit Bravour, manche nutzen die Abrutschtechnik (Sicherheit geht vor). Dann wird es flacher und wir erwischen noch ein paar richtig tolle Hänge. Die Sonne hat inzwischen ihre Arbeit getan. Es geht an der Hütte vorbei, der Hang darunter ist ein Traum, dann noch ein paar schöne Schwünge hinter zum Lüner See und auf dem Sommerweg vor bis zur Douglashütte. Dann endlich legen wir fast gar ausgehungert eine Pause ein, ab hier ist das Wetter nicht mehr so relevant. Doch unten sind wir noch nicht. Für die letzten Höhenmeter hinunter zur Talstation der Lünersseebahn nutzen wir die Rinne im Bösen Tritt. Der Schnee ist, na ja, geht so… Über die vereiste Stelle am Bösen Tritt steigen wir vorsichtig hinüber und kommen alle unversehrt unten an. Von hier heißt es wandern. Auf der Teerstraße geht es bis nach Brand zur Palütbahn. Von dort nehmen wir den Bus nach Bludenz und mit dem Vereinsbus geht es wieder zurück nach Hause…

Schön wars! Ein rundum gelungenes Wochenende! Die Bedingungen waren weit besser als erwartet, das Wetter hat gehalten und uns ein unvergessliches Wochenende beschert! Vielen Dank an Caro und Thomas für die Planung, Orga, die Unterstützung, das Gutzureden, die Geduld, das Sicherheitsgefühl. Es war MEGA!!! Auf der Rückfahrt wurden schon Tourenideen für 2026 diskutiert und mögliche Hütten recherchiert – Wiederholung also nicht ausgeschlossen. RevolutionRace bleibt, die Spaghettipampe hat Optimierungspotenzial…